Gewährleistung der Datenintegrität im medizinischen Bereich

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Gewährleistung der Datenintegrität im medizinischen Bereich

Im medizinischen Bereich führt eine fehlerhafte oder verfälschte Datenangabe nicht nur zu einer statistischen Abweichung – sie kann Patienten gefährden, einen kostspieligen Rückruf auslösen oder einen Hersteller schweren behördlichen Sanktionen aussetzen. Die FDA, die EMA und die Normenreihe ISO 13485 stellen die Datenintegrität in den Mittelpunkt ihrer Anforderungen. Doch angesichts manueller Erfassungen, heterogener Systeme und des Drucks durch hohe Produktionsgeschwindigkeiten bleibt die Aufrechterhaltung einer durchgängig zuverlässigen Datenkette eine tägliche Herausforderung für die Qualitätsteams.

Was versteht man unter Datenintegrität im medizinischen Kontext?

Datenintegrität bezeichnet die Gewährleistung, dass jeder Datensatz vollständig, konsistent, korrekt und nachvollziehbar während seines gesamten Lebenszyklus – von der Erstmessung bis zur Archivierung. In der Pharma- und Medizinproduktebranche wird dieses Konzept häufig mit dem Akronym ALCOA+ (Attributable, Legible, Contemporaneous, Original, Accurate, dazu kommen noch Complete, Consistent, Enduring, Available). Jeder Buchstabe steht für ein Kriterium, das die Prüfer der FDA oder der ANSM bei einer Inspektion wahrscheinlich überprüfen werden.

Konkret umfasst dies sowohl die Art und Weise, wie ein Bediener ein Messergebnis erfasst, als auch die Art und Weise, wie eine Software zur statistischen Prozesskontrolle (SPC — Statistical Process Control) speichert die Datensätze und versieht sie mit einem Zeitstempel. Ein einfaches Kopieren und Einfügen ohne Nachverfolgbarkeit oder eine nicht dokumentierte manuelle Korrektur kann einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Vorschriften darstellen.

Die wichtigsten Risikoquellen für die Datenintegrität

Manuelle Eingabe und Papier

Manuelle Erfassungen sind in der medizinischen Produktion nach wie vor weit verbreitet, insbesondere in kleinen und mittleren Betrieben. Diese Art der Datenerfassung birgt mehrere Risiken: Übertragungsfehler, fehlende Daten, nicht nachverfolgbare Änderungen und Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion des Verlaufs im Rahmen eines Audits. Eine Studie der Parenteral Drug Association schätzte, dass mehr als 80 % der bei Inspektionen festgestellten Verstöße gegen die Datenintegrität Verfahren betrafen, bei denen Papier oder ungesicherte Dateien zum Einsatz kamen.

Nicht validierte Systeme und Tabellenkalkulationsdateien

Tabellenkalkulationsprogramme wie Excel sind allgegenwärtig, weisen jedoch strukturelle Mängel auf: fehlende Zugriffskontrolle nach Benutzern, Formeln, die ohne Prüfpfad geändert werden können, sowie das Fehlen einer vorschriftsmäßigen elektronischen Signatur 21 CFR Teil 11 (der Referenztext der FDA zu elektronischen Aufzeichnungen). Die Nutzung von Dateien, die über ein gemeinsames Netzwerk gemeinsam genutzt werden, verstärkt diese Risiken.

Systemübergreifende Übertragungen

Jede Schnittstelle zwischen Messgeräten, ERP-, LIMS- oder SPC-Software stellt eine potenzielle Stelle dar, an der Daten verloren gehen oder verfälscht werden können. Ein Formatierungsproblem, ein Verbindungs-Timeout oder ein Fehler bei der Feldzuordnung können zu unsichtbaren Inkonsistenzen führen, wenn kein Mechanismus zur automatischen Überprüfung vorhanden ist.

Bewährte Verfahren zur Sicherung der Datenkette

Die Erhebung an der Quelle automatisieren. Durch die direkte Anbindung der Messgeräte an die Auswertungssoftware – über standardisierte Protokolle wie OPC-UA oder serielle Schnittstellen – entfällt die manuelle Übertragung und es wird sichergestellt, dass der aufgezeichnete Wert tatsächlich dem vom Messgerät erzeugten Wert entspricht.

Ein robustes Audit-Trail einrichten. Jedes IT-System, das in einem regulierten Umfeld eingesetzt wird, muss automatisch protokollieren, wer was wann und warum geändert hat. Der Bediener darf einen Eintrag nicht spurlos löschen können. SPC-Software, die den Anforderungen von 21 CFR Part 11 entspricht, verfügt von Haus aus über diese Funktion.

Eine strenge Zugriffsrechteverwaltung umsetzen. Die Benutzerprofile müssen je nach Rolle differenziert werden: Ein Anlagenbediener verfügt nicht über dieselben Rechte wie ein Qualitätsbeauftragter oder ein Systemadministrator. Für jede kritische Freigabe muss eine elektronische Signatur mit Benutzername und Passwort erforderlich sein.

Die Verfahren zur Datenübertragung festlegen und validieren. Jeder Datenfluss zwischen Systemen muss dokumentiert, getestet und validiert werden (IQ/OQ/PQ-Qualifizierung — Installation, Inbetriebnahme, Leistungsqualifizierung). Automatische Konsistenzprüfungen – beispielsweise die Überprüfung der erwarteten Zeilenzahl oder zulässiger Wertebereiche – ermöglichen es, eine Übertragungsabweichung schnell zu erkennen.

Die Teams regelmäßig schulen. Technologie allein reicht nicht aus. Die Bediener und Qualitätsingenieure müssen verstehen, warum diese Anforderungen bestehen und welche Folgen eine Abweichung – ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt – hat.

Die Rolle von SPC-Instrumenten bei der kontinuierlichen Überwachung

Eine gut konfigurierte SPC-Software beschränkt sich nicht darauf, Fähigkeitsindizes (Cp, Cpk) zu berechnen oder Kontrollkarten zu erstellen. Im medizinischen Umfeld ist sie ein aktives Glied in der Integritätskette: Sie versieht jeden Datenpunkt mit einem Zeitstempel, ordnet jeden Datensatz einem identifizierten Benutzer zu, löst bei Abweichungen Warnmeldungen aus und erstellt prüfbare Berichte. Bestimmte Tools ermöglichen zudem die Konfiguration von Regeln zur automatischen Erkennung verdächtiger Werte – beispielsweise wiederholte identische Messwerte, die auf eine fiktive Eingabe hindeuten könnten.

Die Gewährleistung der Datenintegrität im medizinischen Bereich ist kein einmaliges Projekt: Es handelt sich um einen kontinuierlichen Prozess, der organisatorische Disziplin, geeignete technologische Lösungen und eine von allen Akteuren der Produktionskette geteilte Qualitätskultur vereint. Hersteller, die dies als operativen Reflex und nicht als erzwungene regulatorische Auflage betrachten, sind weniger anfällig für Nichtkonformitäten und sind bei Audits besser gewappnet.